Otherwise vegan knit
Kleidung

Otherwise – vegan knit: Mehr als nur ein veganes Modelabel

Melly ist Designerin und Gründerin des veganen und fairen Labels Otherwise vegan knit. Von Haar- über Stirnbänder bis hin zu Schals und Scrunchies, stellt die 29-Jährige alles mit ihrem kleinen Team im Allgäu per Hand her. Wie sich Nachhaltigkeit und Mode vereinbaren lassen und warum Perfektion ein Laster sein kann, erzählt sie im Interview.   

Vegan ist nicht immer gleich nachhaltig

Schon für ihren Master im Modedesign hat sich Melly mit einem veganen Mode-Konzept beworben. Sie selbst isst seit 16 Jahren kein Fleisch mehr, ist dann vegan geworden. Schließlich hat sich die private Einstellung auf die berufliche übertragen: Die junge Designerin möchte schon im Studium nicht mehr mit tierischen Stoffen, wie Wolle oder Seide, arbeiten.

Das Problem? Vegane Stoffe sind nicht gleich nachhaltige Stoffe. “Wie viele versuche ich Plastik in meinem Alltag zu vermeiden – und auf der Haut möchte ich es ganz sicher nicht tragen, ” erklärt Melly. Polyester und Acryl waren daher keine Option. 

Normale Baumwolle auch nicht. Die ist durch ihren hohen Wasserverbrauch und die extreme Düngung mit Pestiziden auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Alternativen mussten her.  Doch genau dafür fehlt im Fashion-Bereich oft das Verständnis. “Nimm doch einfach den anderen Stoff, der sieht eh besser aus,” bekommt Melly oft zu hören. 

Genau das will sie aber nicht und anstatt sich nach Abschluss des Studiums auf einen sicheren Job einzulassen, gründet sie selbst. Mit der Unterstützung ihres Mannes und einem Nebenjob war der Grundstein für Otherwise vegan knit gelegt. Der Name ist Programm und der Arbeitstitel, der bleibt.  

Die perfekte Nachhaltigkeit existiert nicht

“Ich habe gedacht, wenn es nicht perfekt ist, kann ich es nicht machen,” sagt Melly. “Ich musste akzeptieren, dass man nicht von Anfang an das nachhaltigste perfekteste Label der Welt ist. Das war die größte Schwierigkeit für mich.” Aber was war das Problem?

Die junge Designerin musste sich zum Beispiel auf die Angaben der Garn-Hersteller verlassen, ohne diese selbst überprüfen zu können. Zusätzlich wurde die Ware von vielen Zulieferern in Plastik verschickt.

Herauszufinden, welche Materialien wirklich gute Materialien sind und Hersteller zu finden, die die Ware auch nachhaltig verpacken, ist und bleibt ein Weg, den man nur Schritt für Schritt gehen kann.

Heute hat sie ihre Richtung gefunden. „Trotzdem gibt es kein Unternehmen, das durch und durch perfekt ist“, sagt sie. „Man kann nur versuchen sich stetig zu verbessern und muss dabei seinen Prinzipien treu bleiben.“

Dass das nicht bei jedem Unternehmen der Fall ist, musste Melly am eigene Leib erfahren. Sie hat bei einem vermeintlich nachhaltigen Label gearbeitet, das nach Außen faire und ökologische Standards proklamiert. “Aber innen, da war gar nichts nachhaltig weder untereinander, noch miteinander.” Doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? 

Nachhaltigkeit muss man selbst definieren

Oft fehlt es an einer genauen Definition des vielfach eingesetzten Begriffs. “Für mein Label bedeutet Nachhaltigkeit, dass ich die Produkte und Konzepte zu Ende denke. Vom Design über die Musterung bis zum Endprodukt achte ich auf den bewussten Einsatz von Ressourcen,” so schreibt Melly auf ihrer Website. “Niemand ist durch die Herstellung meiner Produkte zu Schaden gekommen, kein Tier oder Mensch musste leiden. Auch bei Kleinigkeiten wie dem Druck der Etiketten oder dem Bezug unseres Stroms wird weiter gedacht und auf nachhaltige Alternativen gesetzt.“ Melly kennt ihre Lieferanten und weiß, dass sie hinter dem stehen, was sie propagieren. Ihre Garne bezieht sie über kleine Unternehmen, die Produktion und Fertigung findet unter einem Dach statt. „So kann ich garantieren, dass meine Produkte wirklich fair gefertigt und gestaltet sind.“

Nicht nur vegan, auch natürlich

Bei Stoffen gibt es mittlerweile eine recht große Transparenz und vor allem nachhaltige Auswahl. Einige der Materialien, mit denen Melly arbeitet, sind zum Beispiel Fashion Revolution zertifiziert, viele haben das GOTS-Siegel. Anders im Strickbereich: “Der steckt immer noch in den Kinderschuhen.“ 

Viele ihrer Materialien findet die Designerin auf Stoffmärkten. “In München gibt es zum Beispiel einen Organic Room. Da kann man sich direkt ein Bild machen. Die Zertifikate hängen aus und es gibt Vorträge. Auch die Händler legen sehr viel Wert auf den Austausch.”

Die Materialien, für die Melly sich entschieden hat, bestehen aus dem schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus, recyceltem Jeansstoffe oder Tencelgarn. Das Konzept des Labels beinhaltet also nicht nur auf tierische Produkte zu verzichten, sondern auch auf künstliche. Aber Melly geht noch weiter.

Zero Waste in Produktion und Versand

Otherwise vegan knit faires Modelabel

“Beim Stricken keinen Abfall zu produzieren, ist sehr einfach,” erklärt Melly. “Man strickt einfach nach Maß. Bei allem, was Vernäht wird, ist es schon etwas schwieriger.” Aber auch da hat Otherwise – vegan knit eine Lösung: Aus den vermeintlichen Zuschnitt-Resten werden Scrunchies und Abschminkpads gefertigt. 90% des Verschnitts werden somit weiterverarbeitet. 

Auch das Verpackungsmaterial ist so nachhaltig, wie möglich. Der Kunde kann selbst wählen, ob er auf die hübsche und recyclebare Papier-Verpackung verzichten möchte. Dann wird die Ware in alten Kartons verschickt. Du entscheidest – vielleicht ist genau das das Stichwort, wenn es um faire Kleidung geht.

Your Impact matters

“Zu denken: Was kann ich schon ausrichten – das sollte man nicht,” erklärt Melly auf die Fragen wie sich das Konsumverhalten in Bezug auf Kleidung ändern müsse. “Auch nicht denken: Wenn ich ein Teil nicht fair kaufe, ist alles egal. Man darf sich niemals von einer Sache, die nicht perfekt gelaufen ist, abbringen lassen.” Bewusstsein ist also der Key.

Für mich als KundIn heißt das aber auch, dass ich mich auf die Informationen, die ein Label herausgibt, verlassen muss. Aber kann ich das überhaupt?

Steht bei einem Label nur, es sei nachhaltig ohne eine Begründung zu liefern, oder durch Siegel Transparenz zu schaffen, sollte man skeptisch sein. “Je mehr Informationen ein Label preisgibt, desto mehr kann ich nachvollziehen, ob es stimmt,” empfiehlt Melly. “Im Endeffekt basiert es auf Vertrauen. Am besten ist immer nachfragen.” 

Generell glaubt die Designerin, dass das Wissen um Fast Fashion mittlerweile fast überall angekommen ist. Die Problematik liege darin, sich zu überwinden und sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. 

Dazu zähle auch, dass die Menschen merken, dass nachhaltige Kleidung nicht zwangsläufig öko ist. Genau das beweist Otherwise – vegan knit.

Das Label ist hip, transparent und so nachhaltig, wie möglich – es scheint als wäre Melly am Ziel. Aber all das reicht ihr nicht. 

Textilproduktion im Allgäu: Ein soziales Projekt

Das Allgäu war früher für seine Textilproduktion bekannt. Von Hüten über Handwerk schlummert genau dieses Wissen in den Köpfen der älteren Generationen, ohne, dass sie es weitergeben können. Melly wünscht sich ein Projekt, das generationsübergreifend funktioniert. Es soll Wissen vermittelt und Traditionen wiederbelebt werden. Außerdem soll es auch Leute auffangen, die sonst durch das soziale Raster fielen.

“Als Unternehmen muss man sich irgendwann die Frage stellen: Wohin will man wachsen?”, erklärt Melly. “Mir geht es nicht darum, mega viel Geld zu verdienen. Mir geht es eher um die Fragen: Was will ich damit? Was kommt danach? Hier sehe ich einzig und allein den sozialen Aspekt.”  

Eins ist klar: Melly ist eine starke Frau mit Prinzipien und einer Vision und genau das überträgt sie auf ihr Label. 

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Fotos: www.instagram.com/otherwise_veganknit

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