Haarpflege ohne Plastik (1)
Kosmetik,  Zero Waste

Natürliche Haarpflege ohne Plastik?

Natürliche Haarpflege ohne Plastik ist gar kein Problem, vorausgesetzt man kommt mit Haarseifen klar. Wenn das nicht der Fall ist, wie bei mir, dann wird es richtig schwierig.

Gleich vorne weg: Ich hab Locken und lange Haare. Ich bin also ein Spezialfall – fettig ist für mich ein Fremdwort und kämmen geht nur in Verbindung mit waschen. Es hat Jahre gedauert, bis ich ein Shampoo gefunden habe, mit dem meine Kopfhaut klargekommen ist. Natürlich wird das bei Naturkosmetik ohne Plastik nicht gerade leichter. Lange Rede, kurzer Sinn: Dinge, die ich ausprobiert habe und, die bei mir nicht funktionieren, richten bei glatten Haaren bestimmt nicht das gleiche an. Jede Haarstruktur ist anders und jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Aber, fangen wir von vorne an.

 

Die Haarseifen-Katastrophe

Haarseife als plastikfreie alternative?

Ich habe es mit einer Haarseife von Seifenhummel versucht, namentlich „Lissy“. Zunächst mal riecht sie super gut und besteht nur aus natürlichen biologischen Inhaltsstoffen. Das sind die Pluspunkte für mich. Kommen wir zum Minus. Sobald ich die Seife auftrage, bleibt sie in den Haaren – oder zumindest fühlt es sich so an. Schon während des Waschens verkleben uns verfilzen meine Haare. Ich bekomme sie nach dem Waschen kaum durch und nach dem Trocknen sehen sie aus, als wäre ich eine Woche am Strand und im Meer gewesen, ohne sie auch nur einmal eine Bürste sehen zu lassen. Ich hatte direkt nach der Haarwäsche das dringende Bedürfnis sie wieder zu waschen. Trotzdem habe ich es knapp 4 Wochen versucht. Inklusive Apfelessig-Spülung, was es besser, aber immer noch katastrophal, gemacht hat. Die Seife rät zum Nichtaufgeben und es ist klar, dass die Haare Zeit brauchen, um sich umzugewöhnen. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Vielleicht liegt es an den Inhaltsstoffen, die nicht zu meinen Haaren passen oder einfach an Haarseife im Allgemeinen, ich weiß es nicht. Aber da diese Seife für mich absolut keine Option ist, musste etwas Neues her.

 

Der Bio-Kokosshampoo-Versuch

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Ich habe schon viele Naturkosmetik-Rezepte von Smarticular probiert – mit einigen bin ich super zufrieden, mit anderen eher weniger. So leider auch mit dem Bio-Kokosshampoo. Zunächst mal zum Rezept. Man braucht:

  • 100 ml Bio-Flüssigseife
  • 100 ml Kokosmilch
  • optional: 1 EL Olivenöl und/oder 1 EL Honig

Alles vermischen, Flasche schütteln und im Kühlschrank aufbewahren. Erstens: Es riecht irgendwie nicht gut – eher wie ranziges Öl. Man kann bestimmt ätherische Öle hinzugeben, aber wenn ich Rezepte zum ersten Mal ausprobiere, lasse ich alle Zutaten, die nicht zur Funktionalität beitragen, weg.
Dann ist es natürlich wahnsinnig ungewohnt sich die Haare zu waschen, ohne, dass es schäumt. An das Zweite gewöhnt man sich, mit dem Ersten kann ich leben. Das Shampoo funktioniert für mich zwar besser als Haarseife, allerdings macht es a) meine Haare super schwer, was die Locken nach unten zieht b) fettig und zwar so, dass offenen Haare keine Option sind und c) filzig, was heißt, dass ich nach Tag 2 wieder waschen muss.

Da ich auf die Schnelle keine plastikfreie Naturkosmetik Alternative gefunden habe, musste ich mich – wie auch oft beim Essen, zwischen plastikfrei und Nicht-Bio oder Naturkosmetik in Plastik entscheiden.

 

Die Haarrettung durch den Lush-Hype?

Naturkosmetik ohne Plastik, Natürliche Haarpflege ohne Plastik, zero plastic cosmetic, plastikfreie KosmetikLush scheint gerade einer DER Trends in der Minimalwaste/ Zero Waste Szene zu sein. Und klar, die Produkte sehen super ansprechend aus, reichen toll, sind tierversuchsfrei und die Kosmetik ist entweder plastikfrei oder in recycelten Behältern verpackt. Außerdem ist Lush super transparent – die Inhaltsstoffe sind online einzeln aufgelistet, getrennt in natürlich und nicht-natürlich, deklariert als fair oder bio oder eben nicht. Genauso wird im Blog erklärt, warum sich manches nicht überprüfen lässt oder, wo die Philosophie des Unternehmens an seine Grenzen stößt.

Kurzum Transparenz wird groß geschrieben und so kann der Verbraucher selbst entscheiden.

Ich habe mich für die Avocado-Co-Wash entschieden, in dem Bewusstsein, dass ich hier zwar plastikfrei, aber nicht bio kaufe. Und selbst, wenn man bei Nachfragen im Shop, alle seine Fragen beantwortet bekommt, ist einem wirklich klar, was Nicht-Naturkosmetik bedeutet, wenn man sich nicht intensiv damit beschäftigt?

Das Problem mit den Inhaltsstoffen

Kein Mensch stiegt durch die unendlichen Listen der Inhaltsstoffe durch, außer vielleicht man ist studierter Chemiker. Ich habe vor Kurzem die App Code Check entdeckt, die sofort auflistet, welche Inhaltsstoffe als bedenklich eingestuft sind, oder, ob z.B. Palmöl enthalten ist und dann auch auflistet, warum der jeweilige Stoff wie aufgelistet ist. Leider vergesse ich immer wieder, die Existenz der App. Blöd von mir, sonst hätte ich das Avocado-Co-Wash sicherlich nicht gekauft.

Mir war klar, dass ich bei Lush keine Naturkosmetik bekomme. Dass die Seife so viele bedenkliche Stoffe enthält, allerdings nicht. Ich hab mir mal die Mühe gemacht und alle nicht-natürlichen Stoffe durchleuchtet.

  • Sodium Laureth Sulfate
    Wofür?
    Schaumbildung
    Warum bedenklich?

    Bei der Herstellung entsteht krebserregendes Dioxan, wie bei allen krebserregenden oder als bedenklich eingestuften Stoffen, ist der Tonus: Auf die Menge kommt es an. Meine Meinung? Krebserregend ist krebserregend.

  • Glyceryl Sterate&PEG 100 Stearate
    Wofür?
    Emulgator; verbindet Wasser und Fett
    Warum bedenklich?

    Laut Schadstofftabelle, verursacht Glyceryl im Tierversuch Wachstumsstörungen. Zusätzlich raten Amerikanische Gesundheitsbehörde davon ab, es zu benutzen. PEG fördert das einschleusen von Schadstoffen in die Haut und ist potentiell krebserregend.

  • Cetearly Alcohol 
    Wofür?
    Weichmacher
    Warum bedenklich?

    Wird unter anderem aus Palmöl hergestellt und steht im Verdacht kontaktallergische Reaktionen hervorzurufen.

  • Sodium Lauryl Sulfate
    Wofür?
    Schaumbildung
    Warum bedenklich?

    Ich zitiere mal kurz die Schadstofftabelle: „Sie reizen die Schleimhäute und lassen sie aufquellen. Auf die Haut aufgetragen, haben sie eine entfettende, irritierende Wirkung; die Haut wird rauh, schuppig und rissig. SLS in Shampoos soll für einen verzögerten Heilungsprozess verantwortlich sein und als aggressives Reinigungsmittel den Haarwuchs maßgeblich hemmen. SLS ist ein häufiges Hautallergen und wird schnell von Augen, Gehirn, Herz und Leber absorbiert und dort angelagert, was zu Langzeitschäden führen kann. Tiere in Kontakt mit SLS und ALS leiden unter Augenschaden, Zentralnervensystem Depression, erschwerte Atmung, Durchfall, schwere Hautirritation, und sogar Tod.“

  • Disodium Laureth Sulfosuccinate
    Wofür?
    Schaumbildung
    Warum bedenklich?

    Gehört zu den Aniontensiden, die krebserregend sein können.

  • Amyl Cinnamal
    Wofür?
    Duftstoff
    Warum bedenklich?

    Kann allergieauslösend wirken.

Natürlich besteht das Shampoo aus viel mehr, eben auch natürlichen und biologischen Inhaltsstoffen. Für mich ist die Liste trotzdem zu lang. Künstliche Inhaltsstoffe heißen in der Konsequenz leider auch, es funktioniert viel besser. Selbst, wenn es sich beim Waschen ungewohnt anfühlt, ist mein Haar hinterher weich und glänzend, um den Erfahrungsbericht einmal abzuschließen.

 

Natürliche Haarpflege ohne Plastik – aussichtslos?

© Villa Lavanda

Alles, was ich bisher probiert habe, ist keine Option für die Zukunft, so viel steht fest. Bei Lush wurde mir der Trichomania Shampoobar empfohlen, der deutlich weniger Inhaltsstoffe hat, aber immer noch Sulfate enthält.  Smarticular hat mir das Waschen mit Roggenmehl angeraten. Allerdings habe ich so viel Negatives darüber gehört, gerade bei Locken, dass ich mich nicht traue es auszuprobieren. Die einzige plastikfreie Naturkosmetik, die ich bisher gefunden habe ist Villa Lavanda und genau darauf setze ich gerade meine Hoffnung.